Eine Kooperation des Kolleg Modedesign der Modeschule Hallein mit der Lenzing AG.

Der Name verrät es schon: Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, Produkte neu zu erfinden und wiederzuverwerten, um Abfall und Verschmutzung auf ein Minimum zu reduzieren und das lineare Modell der Konsum- und Wegwerfgesellschaft abzulösen. Was nach dem traditionellen Ansatz einfach als «Abfall» gilt, wird im Kreislaufmodell zur Ressource. Die Wegwerfkultur hat viele, wenn nicht gar alle Branchen erfasst. Besonders anfällig ist die Modeindustrie: Sie hat die so genannte «Fast Fashion» hervorgebracht – mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Doch inzwischen versuchen immer mehr Menschen, diese Entwicklung umzukehren, indem sie sich einer Zero-Waste-Philosophie verschreiben und sich an einer Kreislaufwirtschaft beteiligen.

Die Aufgabe der Studentinnen und Studenten des Kollegs für Modedesign mit dem Schwerpunkt auf nachhaltige Designstrategien war es zum einen Konzepte zu entwickeln, um Kleidung aus Baumwolle effektiv recyceln zu können. Hier bedarf es neuer Ansätze, da im Moment Kleidung aus Baumwolle fast ausschließlich mit Nähgarn aus Polyester verarbeitet wird und diese Nähte dann in mühsamer Handarbeit vor dem Recycling entfernt werden müssen. Zum anderen war es Ziel des Projektes innovative und moderne Kollektionen aus den Refibra Stoffen der Lenzing AG zu entwickeln. Die Refibra™ Faser ist die erste Cellulosefaser, die neben Holz als Rohstoff zugleich auch Baumwoll-Recycling-Materialien verwendet. Die Frage, wie man die Vorteile dieses geschlossenen Kreislaufs kommunizieren und dem Kunden vermitteln kann steht im Fokus der Kollektionen.

Die Studentin Juliana Eisl sagt zu ihren Erfahrungen aus dem Projekt: „Das gemeinsame Projekt mit der Firma Lenzing AG war eine spannende Aufgabe, da die gesamte Kollektion inklusive Marketingkonzept das Kreislaufverfahren der REFIBRA™ - Faser widerspiegeln sollte. In der Kollektion haben wir von der Faser bis hin zu den Knöpfen oder Hangtag nur Materialien eingesetzt, die entweder biologisch abbaubar sind oder nach dem Ableben wieder zu REFIBRA™ weiterverarbeitet werden können. Das geschlossene Kreislaufsystem ist meiner Meinung nach einer der nachhaltigsten Varianten in der Produktion von Kleidung. Bereits bei der Herstellung der Fasern muss man sich Gedanken über die Wiederverwendung oder über den biologischen Abbau machen, um einerseits Umweltressourcen zu schonen und andererseits weiteren Müll zu vermeiden.“

Georg Aldrian arbeitete gemeinsam mit Juliana Eisl an der Kollektion "Unique Imperfection" und meint zum Projekt: ‘Das Verbinden des auffälligen Designs mit der einzigartigen Qualität und der Anspruch der kompletten Recycelbarkeit waren eine sehr komplexe Aufgabe. Das entstandene Outfit ist, durch die Verwendung klassischer Elemente an untypischen Stellen einzigartig.’

Gerald Brandstätter entwickelte eine Kollektion mit sehr klaren, aufgedruckten Botschaften zum Thema Recycling und Kreislaufwirtschaft und sagte zum Projekt: ‚Es war eine interessante Herausforderung, den gesamten Designprozess auf die besonderen Eigenschaften der recycelten Faser abzustimmen. Um einen geschlossenen Produktkreislauf zu ermöglichen, mussten wir alternative Wege und Materialien für Verschlüsse, Nähgarne und Produktlabels finden. Das finale Design spiegelt den Entstehungsprozess wider. Das Ergebnis ist eine Streetwear taugliche Mode, die für sich selbst spricht und auf spielerische Weise auf den Recyclingprozess der innovativen Faser hinweist.

Michael Sellinger – Fachvorstand für Mode an der Modeschule Hallein sagt abschließend zum Projekt: ‚Mit neuer Kleidung geht auch eine Verantwortung einher. Die Verbraucher entscheiden, welche Kleidungsstücke verkauft werden, wie lange sie in Gebrauch sind, wie sie wiederverwendet und rezykliert werden – oder ob sie allzu früh auf einer Müllhalde landen. Als Modeschule wollen wir mit solchen Projekten einen Beitrag zu einer positiven, nachhaltigen Veränderung leisten und unsere Studenten speziell in diesem Bereich Know how mit auf den Weg in Berufsleben geben.‘

pdf button  Textilzeitung/Kreislaufwirtschaft: Mode gegen Wegwerfkultur